ALLGEMEIN

Die sechste Vorkehrung eines Aufrufers zu Allāh

Eyad Hadrous 30. Dezember 2019


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Die Brust eines Aufrufers zu Allāh sollte für seine Widersacher weit geöffnet sein, insbesondere dann, wenn er weiß, dass der Widersprechende eine gute Absicht hegt und nur in Dingen widerspricht, in denen es erforderlich ist, ihm einen Beweis darzulegen. Der Mensch sollte in diesen Dingen einfach nur locker bleiben und darauf achten, dass aus Meinungsverschiedenheiten weder Hass noch Feindschaft entstehen dürfen.

O Allāh, anders ist es bei jemanden, welchem man die Wahrheit aufzeigt und er einfach nur aus Sturheit widerspricht, und auf seine Falschheit besteht. Dieser verdient, dass man vor ihm warnt und die Leute von ihm abhält. Seine Feindschaft wurde nämlich dann klar, als ihm die Wahrheit verdeutlicht wurde und er sie trotzalldem nicht befolgen wollte. 
Auch gibt es verzwickte Angelegenheiten, in denen Menschen unterschiedliche Ansichten haben können. In Wirklichkeit handelt es sich hierbei um Angelegenheiten, bei denen Allāh Seinen Dienern eine Meinungsverschiedenheit (im Rahmen des Erlaubten) offen ließ. Ich meine damit nicht die Angelegenheiten, welche zum Fundament gehören und dazu führen könnten jemanden für ungläubig zu erklären. Somit gehört dies in den Rahmen der Dinge, die Allāh Seinen Dienern weitete und den Irrtum darin ermöglichte. Der Prophet (Allah segne ihn und gebe ihm Heil) sagte:

„Wenn der (islamische) Richter durch eigene Anstrengung zur Urteilsfindung (Iğtihād) ein Urteil fällt und die Wahrheit trifft gebühren ihm zwei Belohnungen und wenn er sich dabei irrte, bekommt er (dennoch) eine Belohnung.“ [Buḫārī, Nr. 7352, Muslim, Nr. 1716]

Daher verlässt der Muğtahid niemals den Rahmen der Entlohnung; entweder bekommt er zwei Belohnungen für die Anstrengung zur Erlangung der Wahrheit oder nur eine Belohnung, dann wenn er Falsch lag. Wenn Du nun jemand bist, dem es nicht gefällt, dass ihm widersprochen wird dann wisse, dass es dem Gegenüber genauso nicht gefällt, dass ihm widersprochen wird. So, wie du willst, dass die Leute deine Aussage annehmen, wollen diejenigen, die dir widersprechen, auch, dass die Leute ihre Aussagen annehmen. Bei einem derartigen Disput ist die Rückkehr und der Bezugspunkt das, was Allāh, der Allmächtige und Glorreiche, in Seinem Wort deutet:

„SUnd worüber ihr auch immer uneinig seid, das Urteil darüber steht Allāh (allein) zu. Dies ist doch Allāh, mein Herr. Auf Ihn verlasse ich mich, und Ihm wende ich mich reuig zu.“ [aš-Šūrā 42:10]

Ferner sagt der Allmächtige und Glorreiche:

„O die ihr glaubt, gehorcht Allāh und gehorcht dem Gesandten und den Befehlshabern unter euch! Wenn ihr miteinander über etwas streitet, dann bringt es vor Allāh und den Gesandten, wenn ihr wirklich an Allāh und den Jüngsten Tag glaubt. Das ist am besten und am ehesten ein guter Ausgang.“[an-Nisāʾ 4:59]

Somit müssen alle Streiter und Widersacher zu diesen beiden Fundamenten zurückkehren, nämlich zum Buche Allāhs und der Sunnah Seines Gesandten (Allāh segne ihn und gebe ihm Heil) und es ist absolut niemandem erlaubt den Worten Allāhs, des Erhabenen, und den Worten Seines Gesandten (Allāh segne ihn und gebe ihm Heil) mit den Worten irgendeines Menschen zu widersprechen, koste es, was es wolle. Wenn die Wahrheit dich nun erreicht hat, bist du verpflichtet, die Ansicht desjenigen abzulehnen, welcher die Wahrheit ablehnt und dass du dich dieser Person nicht mehr zuwendest, egal welchen Rang sie an Wissen und Religiosität besitzt; denn üblicherweise machen Menschen Fehler, wohingegen sich in den Worten Allāhs, des Erhabenen, und die Seines Gesandten (Allāh segne ihn und gebe ihm Heil) keine Fehler befinden. Es betrübt mich zu hören, dass es Gruppen von Leuten gibt, welche ehrgeizig nach der Wahrheit suchen und sich wünschen sie zu erreichen und wir sie dennoch gespalten vorfinden. Jede von ihnen hat bestimmte Namen und eine bestimmte Beschreibung und das ist in Wirklichkeit ein Fehler, denn wahrlich ist die Religion Allāhs, des Allmächtigen und Glorreichen, Eine und die Ummah (Gemeinde) des Islams ist ebenfalls Eine, so sagt Allāh, der Allmächtige und Glorreiche:

„Gewiss, diese ist eure Gemeinschaft, eine einzige Gemeinschaft, und Ich bin euer Herr; so fürchtet Mich!” [al-Muʾminūn 23 : 52]                  

Und Allāh, der Gepriesene und Erhabene, sagt zu Seinem Propheten Muḥammad (Allāh segne ihn und gebe ihm Heil): 

„Gewiss, mit denjenigen, die ihre Religion spalteten und zu Lagern geworden sind, hast du nichts gemein. Ihre Angelegenheit steht (allein) bei Allāh. Hierauf wird Er ihnen kundtun, was sie zu tun pflegten.” [al-Anʿām 6 : 159]

Ferner sagt der Allmächtige und Erhabene:

„Er hat euch von der Religion festgelegt, was Er Nūḥ anbefahl und was Wir dir (als Offenbarung) eingegeben haben und was Wir Ibrāhīm, Mūsā und ʿĪsā anbefahlen: Haltet die (Vorschriften der) Religion ein und spaltet euch nicht darin (in Gruppen). Den Götzendienern setzt das schwer zu, wozu du sie aufrufst. Allāh erwählt dazu, wen Er will, und leitet dazu, wer sich (Ihm) reuig zuwendet.” [aš-Šūrā 42 : 13]

Wenn dies also, die von Allāh, dem Allmächtigen und Glorreichen, für uns vorgegebene Richtung ist, so ist es auch unsere Pflicht diese Richtung anzunehmen und auf dem gemeinsamen Boden der Tatsache und der Forschung zusammenzukommen. Wir müssen, beide miteinander, debattieren und das Ziel anstreben eine Zusammenkunft zu finden und nicht in der Absicht leben, uns gegenseitig etwas vorzuwerfen oder gar sich zu rächen. Jeder Mensch, der während seiner Debatte lediglich die Absicht hegt mit seiner Ansicht seinen Gegenüber zu besiegen und dabei die Meinung des Anderen als nieder erachtet oder auch nur den Vorwurf ohne Absicht zur Einigung hegt, so ist es überwiegend der Fall, dass der Ausgang dessen nicht das Wohlgefallen Allāhs und Seines Gesandten mit sich zieht.
Es ist demnach unsere Pflicht eine einzige Ummah zu sein. Ich meine damit nicht, dass man keine Fehler macht. Jeder liegt manchmal falsch und manchmal richtig, jedoch spreche ich speziell über die Methode, wie man diesen Fehler verbessert. Es ist nicht der richtige Weg einen Fehler derart zu korrigieren, indem man über eine Person übel nachredet oder über sie herzieht. Der richtige Weg, um ihn zu helfen, von seinem Fehler wegzukommen, liegt darin sich mit ihm zutreffen, mit ihm zu diskutieren und wenn danach zur Geltung kommt, dass diese Person stur auf seinem Fehler beharrt und an seine falsche Sichtweise und der Falschheit festhält, dann habe ich ab diesem Zeitpunkt einen Grund und das Recht, vielmehr wird es meine Pflicht, seinen Fehler aufzudecken und den Leuten seinen Fehler zu verdeutlichen und auf diesem Wege werden die Dinge korrigiert. 
Was aber die Spaltung und das Gruppieren betrifft, so erfreut diese Situation kein Auge und niemand ist damit zufrieden, außer wer ein Feind des Islams und der Muslime ist.
Ich bitte Allāh darum unsere Herzen in Gehorsam Ihm gegenüber zusammenzuführen, und dass Er uns von jenen macht, die die Urteilsfindung in der Rechtsprechung Allāhs und die Seines Gesandten ersuchen. Und wir bitten Allāh, dass Er unsere Absicht aufrichtig macht, und dass Er uns von Seiner Šarīʿah das verdeutlicht, was uns bisher verborgen geblieben ist. Wahrlich, Er ist der Großmütigste, der Freigebigste.

Alles Lob gebührt Allāh, dem Herrn der Welten, und möge der Heil und der Segen auf unserem Propheten Muḥammad, seiner Familie und all seinen Gefährten sein.