ALLGEMEIN

Kurzbiografie von Imam An-Nawawi

Eyad Hadrous 30. Dezember 2019


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Imam An-Nawawi war Muhji-d-din Bin Scharaf Bin Murri Bin Hassan Bin Hussein Bin Muhammad Bin Jumá Bin Hizam, Abu Zakariya Jahja An-Nawawi, einer der bekanntesten klassischen Gelehrten, der vor allem durch die von ihm zusammengestellte Hadithauswahl „Riyadus Salihin” – „Gärten der Rechtschaffenen” bekannt wurde und welche, nach dem Koran, zu den meist gedruckten Büchern der Menschheit zählt.

Imam Nawawi wurde im Monat Muharram im Jahre 631 n.H. (1233 n. Chr.) in Nawa, einem Dorf südlich von Damaskus, geboren. Dort genoss er in seinem islamisch geprägten Elternhaus eine vorbildliche Erziehung. Bereits als Kind lernte er den Koran auswendig und lernte dort bei einigen gelehrten Fiqh. An diesem Dorf lief eines Tages Schaich Jassin Bin Josuf Al-Marakischi vorbei, der zufällig sah, dass einige Kinder Jahja zum Spielen zwingen wollten, er vor diesen jedoch weinend davonlief und währenddessen den Koran rezitierte. Daraufhin ging der Scheich zum Vater des Jungen und empfahl ihm, seinen Sohn studieren zu lassen. Frühzeitig erkannten auch seine Eltern die Veranlagung des jungen Jahya für Wissen und Gelehrsamkeit. Deshalb brachte ihn sein Vater im Jahre 649 n. H. nach Damaskus, um im Darul Hadith an der Rawahija-Madrassa (eine Universität), nahe der Umajjaden-Moschee, mit seinem Studium zu beginnen. 
Im Jahre 651 n.H. vollzog er mit seinem Vater die Hadsch und kehrte anschließend nach Damaskus zurück, um sich dort weiter dem Studium zu widmen. Schnell erlangte er die Liebe und Bewunderung seines Lehrers Abu Ibrahim Ishaaq Bin Ahmad Al-Magribi.

Er studierte die meisten Standardwerke sehr gründlich und lernte bei verschiedenen, angesehensten Gelehrten ihrer Zeit täglich zwölf verschiedene Fächer. Dabei lag sein Schwerpunkt auf allen großen Hadith-Werken, der arabischen Sprache, insbesondere der Grammatik und den Grundlagen des Fiqh. Die Liste seiner namenhaften Schaichs und die seiner zahlreichen Schüler in vielen Fachgebieten ist sehr lang. 

Imam An-Nawawi war außerdem ein gerechter Qadi (Richter) und ein Beispiel für einen Menschen von starkem Iman (Glauben) und vorbildlichem Charakter. Er heiratete nicht, um sich dem Wissen und der ´Ibada zu widmen, obwohl das Nichtheiraten für einen Muslim, anders als im Christentum bei den Mönchen, eher selten ist, da der Islam dazu auffordert zu heiraten. Er führte ein bescheidenes Leben, aß, trank und schlief wenig und trug bescheidene Kleidung. Finanzielle Gaben von den Herrschenden lehnte er ab. Er fürchtete keinen Herrscher und verteidigte stets furchtlos das Recht der schwachen Menschen. 
Schon im Jahre 665 d.H. (1267 n. Chr.) wurde er Scheich und Lehrer derselben Schule, in der er studierte. 
Sein Einkommen als Scheich war sehr hoch, von dem er jedoch nichts für sich ausgab, sondern es bei einem Verantwortlichen in der Schule hinterließ und nach einem Jahr legte er diese Ersparnisse in eine Stiftung für Darul Hadith oder kaufte er Bücher für die Bibliothek der Schule.

Als der Sultan Al-Dhahir Bibars die Tataren besiegte und nach Damaskus kam, behauptete der Schatzmann des Baitul Mal vor dem Sultan, dass viele der Felder in Asch-Scham dem Staat gehörten und einige davon sollten vom Sultan unrechtmäßig legalisiert werden. Als Imam Nawawi sich für diese Rechte einsetzte, verweigerte man ihm sein Gehalt. Er gab jedoch nicht auf, bis er das Recht für diese Leute auf seiner Seite hatte und damit für sie zurückgewann. 
Seiner Aufgabe, das Gute zu gebieten und das Schlechte zu verwerfen, ging er stets nach und wenn er bei den Herrschern eine beratende Funktion einnahm, vertrat er nicht seine Privatinteressen; einer der Gründe, aus denen er stets furchtlos auftreten konnte. Seine Zivilcourage, für die Wahrheit und Gerechtigkeit um den willen Allahs, gegenüber Machthabern kannte keine Grenzen.

Mit 30 Jahren begann er im Jahre 660 neben seinen Studien der arabischen Grammatik, des Rechts und den Ahadith mit der Verfassung seiner Werke, zu denen auch ein großes Werk, Erläuterungen zu Sahih Muslim gehört. Darüber hinaus war er als Jurist ein hoch angesehener Qadi. Aus den Werken von Buchari, Muslim und anderen Hadithwerken stellte er sein besonders populäres Werk „Riyadus Salihin“ zusammen, das, obwohl ein kleines Buch mit wenig Arbeit, dafür aber mit viel Liebe und Aufrichtigkeit, neben dem Koran zu einem der meistgedruckten Bücher der Welt zählt. Als Autor vieler wertvoller Bücher ist sein Stil und sein Ausdruck als sehr klar und unkompliziert bekannt.

Insgesamt pilgerte er zweimal nach Makka. Er lebte nicht länger als 45 Jahre und trotzdem legte Allah sehr viel Segen in seine Arbeit. Seine Bücher strahlen wie die Sonne über die gesamte Erde, als hätte er hunderte von Jahren gelebt. Juristen, Pädagogen, Eltern und Bibliotheken können auch heute nicht auf seine wertvollen Schätze verzichten.

Seine Werke, welche ganz verschiedene Gebiete umfassen, sind alle von herausragender Qualität. Zu diesen gehören unter anderem auch sein namhaftes kleines Buch die „Al-Arbaʿun An-Nawawiya”, eine Zusammenstellung von rund 40 grundlegenden Ahadith, Werke zur Einführung in die Grundlagen des Islam, die ‘Aqida, Fiqh und Hadithwissenschaft sowie viele weitere. 
Im Jahre 676 gab er alle Bücher, die er von Awqaf (islamische Stiftung) ausgeliehen hatte, zurück, besuchte die Gräber seiner Scheichs, um für sie zu beten, als hätte er gewusst, dass er nicht mehr lange zu leben hatte. Danach verabschiedete er sich von seinen Freunden und Bekannten. Nachdem er dann seinen Vater in seinem Heimatdorf besucht hatte, reiste er nach Jerusalem und Al-Khalil, um anschließend wieder zu seinem Vater nach Nawa zurückzukehren, wo er erkrankte und am 24. Radschab des Jahres 676 starb. Als diese Nachricht Damaskus erreichte, lag große Trauer über der Stadt. Der oberste Qadi von Damaskus, Izziddin Muhammad Bin As-Saigh, reiste gemeinsam mit einer hochrangigen Delegation zum Grab des Imam An-Nawawi, in Nawa und betete das Totengebet für ihn. 

Bei dem Werk „Riyadus Salihin“ handelt es sich um die bis heute verbreitetesten Hadithsammlungen von Überlieferungen des Propheten Muhammad (Allāh segne ihn und gebe ihm Heil) zu moralisch-erzieherischen Zwecken, die sich mit guten Charaktereigenschaften und alltäglicher Lebenspraxis befassen, welche nicht nur bei den Gelehrten Anwendung finden, sondern bei jedermann. In den meisten Kapiteln hat An-Nawawi vorab einige, zum Thema passende, Verse aus dem Koran zitiert. Dazu gehört die gute Absicht, Aufrichtigkeit, Frieden stiften, Geduld, Wohltätigkeit, das Gute gebieten und das Schlechte verbieten, das Halten von Versprechen, der soziale Umgang innerhalb und außerhalb der Familie usw.
Möge Allah Imam Nawawi mit Firdaws belohnen und uns ihn als Vorbild betrachten lassen.

Jotiar Bamarni