Das islamische Glaubensverständnis

Wie verhalte ich mich gegenüber einer bösen Versuchung?

In einer bösen Versuchung soll der Mensch jene Position der Geduld einnehmen und den Lohn bei Allāh erhoffen und von Ihm die Erleichterung und die Lösung erwarten. Allāh taʿālā sagt: 
 

 Gewiss, den Standhaften wird ihr Lohn ohne Berechnung in vollem Maß zukommen.“ [az-Zumar 39:10]                                                             

Deshalb sagen die Gelehrten, dass sich der Mensch bei einem schwerwiegenden Ereignis in einem der vier Zustände befindet.

1. Zustand:
Unzufriedenheit und Empörung: unzufrieden und empört über Allāh ʿazza wa dschall, Der für diesen Menschen ein schwerwiegendes Ereignis vorherbestimmt.

2. Zustand:
Die Geduld: Man schmeckt den bitteren Geschmack der Tragik und es fällt einem nicht leicht und man wünscht sich, es hätte sich nicht ereignet. Jedoch geduldet man sich ohne Empörung und ohne Unzufriedenheit. Man trägt in seinem Herzen keine Unzufriedenheit gegenüber Allāh und sagt mit seiner Zunge keine verbotenen Worte und begeht keine unerlaubten Handlungen, schlägt sich nicht auf die Wange, zieht sich nicht an den Haaren, zerreißt sich nicht die Kleider. Vielmehr bleibt man geduldig und hofft auf den Lohn von Allāh.

3. Zustand:
Zufriedenheit, die Zufriedenheit mit dem Ereignis: Die Zufriedenheit ist eine bessere Stufe als die Geduld. Der Unterschied zwischen dem Zufriedenen und dem Geduldigen ist, dass es für den Zufriedenen gleichgültig ist, ob sich die schlimme Begebenheit ereignet hat oder nicht, und wünscht sich nichts anderes als das, was Allāh für ihn vorherbestimmt hat. Beim Geduldigen hingegen hat das Ereignis seine Spuren hinterlassen und er wünscht sich, dass es nicht geschehen wäre und es fällt ihm nicht schwer, jedoch übt er sich in Geduld und hält sich von allem Verbotenen fern; die verbotenen Dinge mit dem Herzen, mit den Worten und mit den Taten. Der Zufriedene hingehen sagt: „Mein Herr tut, was Er möchte, und ich bin zufrieden und gelassen und ob sich etwas Schlimmes ereignet oder nicht, ist für mich gleich.“ Jedoch beachte, dass die Trauer nicht bedeutet, dass man nicht zufrieden ist. Deshalb war der Prophet – Allāh segne ihn und gebe ihm Heil! – traurig, als sein Sohn Ibrāhīm starb. Da sagte der Prophet: „Das Auge tränt, das Herz trauert und wir sagen nur das, was unseren Herrn zufrieden stellt und wir sind über den Abschied von dir o Ibrāhīm sehr traurig.“
[Buchārī]

4. Zustand:
Dank. Wie sieht der Dank für ein schlimmes Ereignis aus? Und ist es denkbar, dass der Mensch Allāh für eine Katastrophe dankt?
Wir sagen ja, das ist wohl denkbar. Nämlich indem man die eigene Katastrophe mit einer schlimmeren vergleicht. Deshalb dankt man Allāh und sagt: „Manch Böses ist weniger heftig als das andere.“ Man dankt Allāh taʿālā dafür, dass sich nicht die schlimmere Katastrophe ereignet hat. Man dankt Allāh dafür, dass die Katastrophen Gründe sind für die Reinigung von den Sünden. Jede Sorge, jeder Kummer und jeder Schaden, den man erleidet, ist eine Sühne; sogar der kleine Stich, den man erleidet. Man dankt Allāh ʿazza wa dschall für diesen hohen Zustand, den Zustand der Zufriedenheit, wodurch man so die Dankbarkeit erreicht.

[Muhammad ibn Sālih al-ʿUthaymīn rahimahullāh, aus dem Arabischen Übersetzt von Souheil Thabti]